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failed state: Schurken- und andere Staaten
Archiv - TIP Zeitung für Thailand
März 07, 2021, 01:11:17 *
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Autor Thema: failed state: Schurken- und andere Staaten  (Gelesen 38438 mal)
lupo-di-mare

Beiträge: 142


« Antworten #135 am: März 23, 2008, 06:30:18 »

Die Merkel könnte doch bei Ihrem nächsten Besuch im Reich der Mitte , mal ihr Geschwaffel von Menschenrechten und so lassen ( das mögen die Chinesen nämlich nicht )und dafür ein interessantes Thema , welches die Welt vielmehr interessiert auf den Tisch bringen.

Sie könnte sich in China und anderen Dumping Ländern für einen Mindeslohn stark machen ,
10 € / h für alle Chinesen , dann wären viele Probleme in der Welt gelöst.

MfG L.d.M.

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« Antworten #136 am: März 24, 2008, 02:12:50 »

Finde ich eine tolle Idee lupo.

Der Mindestlohn müsste natürlich auf Chinesischen Niveau liegen.
Ich glaube auch in China von einer Mindestlohn-Debatte gehört zuhaben. Das war ja auch der Grundgedanke des letzten Volkskongresses. Nämlich den wirtschaftlichen Fortschritt auch in den chinesischen Westen (aufs LAnd) zutragen. In Form besserer Infrastruktur, Gesundheits- und Bildungssystem sowie besseren Schulsystem und den Mindestlohn.

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« Antworten #137 am: März 24, 2008, 02:24:43 »

?Nach einem Jahr brach die gesamte Einheit zusammen?

Gespräch mit Clifton Hicks und Chris Capps.
über ihren freiwilligen Militäreinsatz im Irak und was US-Soldaten schliesslich zu Kriegsgegnern macht
Von Rüdiger Göbel und Jan Schapira

 

Clifton Hicks und Chris Capps, Sie waren beide um die 20 Jahre alt, als Sie in den Irak-Krieg zogen. Was hat Sie bewogen, freiwillig zur US-Armee zu gehen?


Clifton Hicks: Um ehrlich zu sein, ich wollte schon als kleiner Junge zur Armee. Das ist bei uns so eine Art Familientradition. Mein Grossvater war beim Militär, mein Vater, mein Onkel, einfach alle. Ich bin zur Armee, um mein Land zu beschützen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hielt ich es für eine patriotische Tat, zu dienen. Ich dachte, ich würde damit etwas Gutes tun und dabei helfen, die Welt ein klein wenig besser zu machen.

Abgesehen davon wollte ich aber den Krieg erfahren, Gefechte erleben. Ich wollte Panzer fahren und kämpfen. Ich war erst 17, als ich mich bei der Armee meldete. Meine Mutter musste mich einschreiben, weil ich noch nicht volljährig war. Mein Training war dann ein Crash-Kurs.
Ich hatte vier Monate Grundausbildung und einen Monat Urlaub.
Dann wurde ich nach Deutschland verlegt, zwei Wochen später war ich mit meiner Einheit in Bagdad. Das war im April 2003.

Rückblickend muss ich sagen: Ich war ein Idiot, ein richtiges Arschloch. Ich war sehr rechts und nationalistisch eingestellt.
Ich glaubte daran, dass Amerika immer Recht hat und unbesiegbar ist. Ich wollte gegen Al-Qaida kämpfen, alle umbringen, die die Flugzeuge in die Türme des World Trade Center gelenkt hatten. Ich dachte nicht wirklich darüber nach, was ich tat, als ich in den Irak-Krieg ziehen wollte. Alle in meiner Familie flehten mich an, das nicht zu machen, inklusive derjenigen, die selbst bei der Armee waren. Aber ich ging trotzdem.

Chris Capps: Ich meldete mich freiwillig, um später aufs College gehen zu können. Ich war damals 20 Jahre alt und habe Pizza ausgetragen, um über die Runden zu kommen. Ich wollte nicht für den Rest meines Lebens in meiner winzigen Heimatstadt Hackettstown in New Jersey bleiben. Die Armee schien mir der einzige Ausweg zu sein.
Im Frühjahr 2004 ging ich zunächst zur Reserve. Ich wusste, dass sich mein Land im Krieg befand, habe das aber einfach ignoriert.
Ich dachte nur daran, wie ich aus dem Kaff, in dem ich bisher lebte, rauskomme. Schliesslich fragte ich nach, ob ich auch im Ausland eingesetzt werden könne. Dafür gab's mehr Sold, und ich wollte die Welt sehen. Weil die Armee für Südkorea niemanden brauchte, liess ich mich nach Deutschland verlegen. Kaum war ich da, wurde meine Einheit in den Irak geschickt. Dort war ich vom November 2005 bis Ende September 2006.

Wie haben Sie Ihre Ankunft im Kriegsgebiet in Erinnerung?

Capps: Zunächst als grossen Schock. Ich dachte, ich lande irgendwo mitten in der Wüste. Statt dessen stieg ich aus dem Flugzeug aus und war inmitten einer Art Disneyland. Es war unglaublich.
Es gab Palmen und Seen, einen riesigen Palast, der einmal Saddam Hussein gehört hatte, und jede Menge Fastfood-Läden, eine Art Starbucks, Subways, PizzaHut usw. Willkommen in Camp Victory, einem der sichersten Orte im ganzen Irak. Halliburton und KBR haben da riesige Geschäfte gemacht. Die Gewalt war vor die Mauern der Militärbasis gebannt. Man konnte Explosionen und Schüsse hören, aufsteigenden Rauch sehen, doch das war draussen. Die meisten in Camp Victory ignorierten das einfach.
Clifton Hicks, wie fühlt es sich an, gerade mal volljährig mit einem riesigen Panzer durch die irakische Hauptstadt zu fahren?


Hicks: Es war entsetzlich. Ich hatte vor allem Angst, unschuldige Menschen zu töten. Als ich in den Irak kam, hatte ich die besten Absichten. Ich wollte ein guter Soldat sein und Gutes tun. Tatsächlich stand ich unter Dauerstress. Es war komplett anders, als ich es mir vorher vorgestellt hatte. Ich hatte weniger Angst, dass mir in meinem Panzer etwas passieren könnte. Die Iraker hatten anfangs noch nicht die technologischen Möglichkeiten, einen M1-Abrams zu zerstören. Ich musste aber höllisch aufpassen, keine Zivilisten zu überfahren. Die Iraker fahren wie die Henker, rennen plötzlich über die Strasse ... Das war sehr gefährlich für sie.

Wann dachten Sie das erste Mal, verdammt, hier läuft einiges falsch?

Hicks: Ich war mit meinem Panzer auf Patrouille unterwegs. Eine Gruppe vor uns war attackiert worden. Es gab eine Explosion, und sie wurden aus einem Graben beschossen. Auf der anderen Strassenseite wurde auch geschossen, von einer zivilen Wohnanlage aus. Die Männer im Konvoi vor mir feuerten in alle Richtungen zurück. Wir kamen ihnen zu Hilfe, rannten zu dem Wohnkomplex, traten die Türen ein.
Wir stiessen auf eine Hochzeitsgesellschaft. Da war eine riesige Familie, die gefeiert und getanzt hatte, bis wir kamen.
Drei Zivilisten waren von Kugeln getroffen worden. Ein Mann und ein Mädchen waren verletzt. Ein weiteres, sehr junges Mädchen lag tot auf dem Boden. Ich sah die Kleine kurz vom Flur aus. Die Iraker hatten vermutlich von den Dächern aus in die Luft gefeuert. Das gehört dort zur Hochzeitszeremonie. Die Soldaten dachten, es handelt sich um einen feindlichen Angriff und schossen zurück – so etwas geschieht praktisch jeden Tag im Irak.

Was mich schockierte, war nicht der Vorfall an sich, denn es war offensichtlich, dass es ein Fehler und Versehen war. Mich schockierte vielmehr, wie damit umgegangen wurde. Wir riefen unsere Vorgesetzten an und sagten: ?Wir haben einen Zivilisten getötet, zwei weitere sind verletzt. Wir haben erste Hilfe geleistet. Was sollen wir tun?? Die Antwort: ?Alles okay, setzt eure Mission fort.? Das war alles.

Wir wussten noch nicht einmal, was ?Entschuldigung? auf Arabisch heisst, also gingen wir einfach. Danach fragte ich mich das erste Mal, was es eigentlich heisst, die Iraker zu befreien und das Land wieder aufzubauen. Ich war mir sicher, die Männer von dieser Hochzeit werden heute Nacht nach Hause gehen, zu den Waffen greifen und uns bekämpfen.

Capps: Zum Glück musste ich solche Dinge nicht erleben. Ich baute in Camp Victory als Funktechniker vor allem die permanente Infrastruktur mit auf. Eines Tages wurden wir von einem Aussenposten in unserer Nähe gerufen, um das Kommunikationssystem zu reparieren. Bei der Arbeit merkte ich, dass ich das Glasfaserkabel für die Telefon- und Internetverbindung zwischem dem Hauptquartier in Camp Victory und Abu Ghraib austauschte. Ich hatte zuvor nie darüber nachgedacht, was ich im Irak eigentlich mache. Jetzt begann ich, mir Gedanken zu machen, für was die Infrastruktur eigentlich gebraucht wird. Die Bilder aus Abu Ghraib waren um die Welt gegangen und auch mir bekannt. Jeder wusste, was dort passiert.

Wie würden Sie das Verhalten der US-Truppen gegenüber der irakischen Bevölkerung beschreiben?

Capps: Die meisten Soldaten stehen den Irakern indifferent gegenüber. Sie hassen sie nicht, die Bevölkerung ist ihnen einfach egal.

Hicks: Oft haben wir Männer als feindliche Kombattanten verhaftet, weil wir die eigentlich Gesuchten nicht finden konnten. Wenn wir auf Mission geschickt wurden, mussten wir immer mit einem Gefangenen zurückkommen. Wir warteten, bis wir einen Iraker im kampffähigen Alter fanden, Wenn er gefährlich aussah, fesselten wir ihn und warfen ihn auf den Truck. Solche Leute kamen schliesslich nach Abu Ghraib. Sie haben nichts getan. Ihr einziges Verbrechen war, im Irak geboren worden zu sein.

Ein einziges Mal habe ich gesehen, dass ein irakischer Kämpfer verhaftet wurde. Er hatte Bomben bei sich und wollte ein paar von uns in die Luft jagen. Ich wollte ihn sehen, weil ich den Feind vorher nie wirklich gesehen hatte. Ich klopfte also gegen die Tür des Gefangenentransporters und sie wurde geöffnet. Ich sah den Gefangenen niedergedrückt auf einer Bank, er hatte Blutergüsse. Ich sagte ihm, du gehst nach Abu Ghraib, wir werden dich dort umbringen. Es war ein Psychospiel, so was passierte jeden Tag.

Einmal war ich dabei, als ein Typ versehentlich von einem Panzer überfahren wurde. Die Soldaten fuhren einfach weiter. Sie wollten damit nichts zu tun haben. Also musste sich meine Einheit mit der Sache befassen. Für den Tod von Zivilisten wird niemand verantwortlich gemacht.

Wann haben Sie sich entschieden, der US-Armee den Rücken zu kehren?

Hicks: Ich kämpfte mit meiner Einheit zwölf Monate lang. Jeden einzelnen verdammten Tag fuhren wir dieselben nutzlosen Patrouillen. Ich dachte wie alle anderen nur an das Ende des Einsatzes: Im April 2004 bin ich wieder in Deutschland. Ich werde ein grosses Bier trinken, Frankfurter Würstchen essen und mich im Rotlichtviertel vergnügen. Danach werde ich meine Familie und meine Freunde in den USA wieder sehen.

Meine Einheit wurde tatsächlich verlegt, auf einen Stützpunkt in Kuwait. Von dort sollte es zurück nach Deutschland gehen. Das war im April 2004, der bis heute zweitblutigste Monat im Irak-Krieg. Wir hörten davon im Fernsehen und flachsten herum, dass wir gerade noch im richtigen Moment aus der Scheisse raus sind. Dann kam das Gerücht auf, wir sollten wieder zurückgeschickt werden. Schliesslich wurde es offiziell.

Man muss sich das vorstellen: Wir waren raus aus dem Krieg, in Kuwait, überall waren Girls von der National Guard, die in ihrer Freizeit kurze Shorts und Tops mit Spagetti-Trägern tragen dürfen. Du konntest überall das Gras riechen, das geraucht wurde. Alle waren high, es gab überall Partys, Techno, Rock'n Roll, Western, R'n'B, für jeden etwas. Es gab ein riesiges Einkaufszentrum und Restaurants. Und dann sagen sie dir, du musst zurück in den Irak. Das war der Moment, da meine ganze Einheit zusammenbrach. Wir wollten nicht zurück. Wir wussten alle, dass dieser Krieg Schwachsinn ist und wir hatten unseren Dienst abgeleistet. Seit dem Zweiten Weltkrieg war kein US-Soldat länger als zwölf Monate eingesetzt worden.
Dennoch mussten Sie in den Irak zurück.

Hicks: Zurück in Bagdad sahen wir ausgebrannte Panzer am Strassenrand. Die M1-Abrams galten eigentlich als unzerstörbar. Leichen lagen im Strassengraben und tote Tiere. Die US-Armee, diese perfekte Maschine, das alles fiel für mich auseinander. Ich realisierte, dass die Armee krank ist und keine gute Arbeit leistet. Genauso wie die anderen drehte ich ab. Bisher hatte ich meiner Familie in meinen E-Mails nur von lustigen Dingen berichtet und dass es mir gut gehe. Jetzt liess ich den ganzen Druck raus. Ich wusste, dass meine Korrespondenz überwacht wurde. Das war mir egal. Ich schrieb, dass uns die Armee zum Sterben hierher schickt, ich beleidigte meine Vorgesetzten. Eines Morgens wurde ich geweckt. Mir wurden meine Waffen weggenommen. Ich hatte nach Hause geschrieben, ich würde mir in den Fuss schiessen, um wieder zu meiner Familie zu kommen. Die Armee hatte Angst, ich könnte auch einen Kameraden oder Vorgesetzten erschiessen. Ich bekam Strafdienst: 20 Stunden Arbeit, vier Stunden Schlaf. Bis meine Einheit schliesslich auf Urlaub nach Deutschland geschickt wurde.

Hier trainierten wir dann für eine Rückkehr in den Irak. Da realisierte ich, dass mich die Armee verbrauchen würde. Ich würde solange in den Irak zurück müssen, bis meine Dienstzeit vorbei oder ich tot wäre.

Wie kamen Sie schliesslich aus der Armee raus?


 Hicks: Ich erklärte, nicht mehr kämpfen und töten zu wollen. Ich weigerte mich, zu trainieren und eine Waffe zu tragen. Es gab eine grosse Untersuchung. Schlussendlich wurde ich unehrenhaft aus der Armee entlassen.

Capps: Ich kam aus dem Irak zurück nach Deutschland und hörte, als nächstes geht's ab nach Afghanistan. Das war zuviel. Ich blieb der Truppe unerlaubt fern, bis ich schliesslich entlassen wurde.

Hicks: Es ist nicht einfach, so eine Entscheidung zu treffen. Die Armee ist eine riesige Maschinerie. Ihr ganzes Ziel ist es, abgesehen davon, den Feind zu töten, die Seele ihrer Soldaten zu kontrollieren. Sich gegen die Armee zu wenden, ist eine grosse Sache. Alle, die im Irak sind, wissen, dass nichts stimmt, was die US-Regierung erzählt. Aber wenn du die Befehle nicht befolgst, gehst du ins Gefängnis. Und das ist noch die geringste Sorge. Wer unehrenhaft entlassen wird, findet in den USA keine Arbeit mehr. Doch das war mir am Ende alles egal. Ich konnte moralisch einfach nicht mehr weiter machen.

Wurden Sie von Ihren Familien unterstützt?

Hicks: Meine Familie hat mir sehr geholfen. Sie wussten, dass ich das richtige tue, und sie waren stolz auf mich. Auch ich bin sehr stolz, auch wenn es Leute gibt, die sich darüber lustig machen, wie ich aus der Armee rausgekommen bin. Ich aber weiss, es ist das Ehrenhafteste, das ich in meinem ganzen Leben getan habe! Wenn ich morgen sterbe, kann ich mir sicher sein, dass es eine gute Sache in meinem Leben gibt, die ich getan habe: Ich habe mich der Armee widersetzt.

Sie sind nicht nur raus aus der US-Armee, sondern auch aktiv in der Organisation ?Iraq Veterans Against the War?. Was treibt Sie zu diesem Engagement an?

Hicks: Ich muss einfach weitermachen. Ich habe bereits drei Freunde im Irak verloren. Und ich weiss, ich habe Freunde, die noch in der US-Armee sind, die sterben werden. Wir wären Feiglinge, würden wir nur aus der Armee rausgehen und nichts weiter tun. Wir sind aber keine Feiglinge, also müssen wir laut sagen, was wir denken.

Capps: Ich will Soldaten, die aus der Armee raus wollen wie wir, so gut helfen, wie ich kann. Sie brauchen alle Hilfe, die sie bekommen können. Wenn die Soldaten ohne Unterstützung und Erfahrung gegen die Armee agieren, landen sie im Militärgefängnis in Mannheim.
Wie ist die Stimmung in der US-Armee. Wie viele unzufriedene Soldaten gibt es wirklich?

Hicks: Wir zwei stehen für viele. Die Soldaten, die jetzt nach Deutschland und von hier aus in den Irak geschickt werden, sie erfahren von uns, wie es dort wirklich ist. Sie haben also einen realistischen Eindruck, schon bevor sie ins Kriegsgebiet verlegt werden. Die Moral in meiner Einheit war nach der Rückkehr aus dem Irak so am Boden, dass sie aufgelöst werden musste.

Was kann ein Soldat im Irak gegen den Krieg tun?

Hicks: Du kannst einen Befehl nicht offen verweigern. Dann kommst du vors Kriegsgericht. Ich konnte meinen Offizieren aber sehr wohl zu verstehen geben, dass ich sie hasse, und dass der Krieg falsch ist. Ich kann ihnen den Job so schwer wie möglich machen. Das ist eine Art passiver aggressiver Widerstand.

Wir sabotierten nicht unsere eigenen Fahrzeuge, aber wir zeigten unseren Vorgesetzten, dass wir sie nicht unterstützen. Und sie wussten es ganz genau. Ich hatte am Ende mehr Respekt für die irakischen Soldaten und Widerstandskämpfer, die mich töten wollten, als für einige der Männer, die an meiner Seite standen. Den Irakern geht es um ihre Familien, um ihr Zuhause und die Souveränität ihres Landes. Die US-Soldaten dagegen werden dafür bezahlt, Krieg zu führen.

Erwarten Sie von den US-Präsidentschaftswahlen im November Auswirkungen auf den Irak-Krieg?

Capps: Ehrlich gesagt nein. Hillary Clinton von den Demokraten hat mehr Gelder von Rüstungsunternehmen genommen als der Republikaner John McCain. Weder Clinton noch Barack Obama wollen das Versprechen geben, alle Truppen bis 2013 aus dem Irak zu holen. Ich bin diesbezüglich also sehr pessimistisch.

Hicks: Keiner von den Politikern sagt offen und ehrlich: Ja, wir werden die Truppen nach Hause bringen. Wenn ein Politiker aber nicht klar und deutlich Ja sagt, dann heisst das Nein. Ich persönlich habe keinerlei Vertrauen in die Kandidaten. Ob da ein Demokrat oder ein Republikaner, eine Frau oder ein Schwarzer Präsident wird, ist letztlich egal.

Chris Capps aus Hacketts?town (New Jersey) war als Fernmeldetechniker der US-Armee in ?Camp Victory? im Irak von November 2005 bis September 2006 stationiert. Im Februar 2007 entzog er sich der erneuten Verlegung in den Irak. Heute lebt er in Hanau und ist bei den ?Iraq Veterans Against the War? aktiv.
Clifton Hicks aus Gaines?ville (Florida) war als Panzerfahrer und Richtschütze von 2003 bis 2004 in Bagdad. Er wurde aufgrund seiner Weigerung, eine Waffe zu tragen, unehrenhaft aus der US-Armee entlassen. Er ist Mitglied bei ?Iraq Veterans Against the War?.
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« Antworten #138 am: März 28, 2008, 11:15:33 »

Ahnungslose Schwärmerei
Mönchischer Terror auf dem Dach der Welt. Teil I: Die Begeisterung für den Dalai Lama und den tibetischen Buddhismus

Von Colin Goldner
Colin Goldner ist Autor des Standardwerkes ?Dalai Lama: Fall eines Gottkönigs?, das Ende April in aktualisierter und erweiterter Neuauflage im Alibri-Verlag Aschaffenburg erscheint.

 

Zwischen drei- und fünfhunderttausend Anhänger soll der Buddhismus seit Anfang der 1990er Jahre allein im deutschsprachigen Raum gefunden haben. Vor allem in ihrer tibetischen Variante scheint die ?Lehre des Buddha? dem aktuellen Zeitgeist sehr zu entsprechen: Die Zahl der Sympathisanten für den sogenannten Vajrayana-Buddhismus, als dessen Oberhaupt der Dalai Lama firmiert, geht in die Millionen. Wesentlicher Grund hierfür ist die Dauerpräsenz ?Seiner Heiligkeit? in den Boulevard- und Yellow-Press-Medien, über die das Interesse an ?östlicher Spiritualität? bedient und ständig erweitert wird.

Vor allem innerhalb der Esoterik- und Psychoszene gilt tibetischer Buddhismus bzw. das, was man davon weiss oder dafür hält, als übergeordnete ?spirituelle Leitlinie?. Ernsthafte Auseinandersetzung gibt es in dieser Szene freilich nicht, die oberflächliche Kenntnis von ein paar Begriffen und ein ?Gefühl? für die Sache reichen völlig aus, sich ?zugehörig? vorzukommen. Vielfach versteht man sich dann schon als ?engagierter Buddhist?, wenn man einen ?Free-Tibet?-Aufkleber auf dem Kofferraumdeckel spazierenfährt

Für viele steht und fällt die Begeisterung für tibetischen Buddhismus in der Tat mit der Figur des Dalai Lama. Das weltweit hohe Ansehen, das ?Seine Heiligkeit? quer durch sämtliche politischen und weltanschaulichen Lager geniesst, ist trotz aller Kritik, die seit geraumer Zeit gegen ihn vorgebracht wird – von seinen freundschaftlichen Kontakten zu alten und neuen Nazis hin zu seinen eklatant frauen- und homosexuellenfeindlichen Positionen –, völlig ungebrochen. Nach wie vor gilt er als Symbolfigur für Friedfertigkeit, Güte und in unendlicher Weisheit ruhende Gelassenheit. Seine Verlautbarungen gelten als Wahrheit schlechthin. Derlei verklärende Sicht auf den Dalai Lama ebenso wie auf das ?alte Tibet?, das dieser repräsentiert, basiert wesentlich auf eklatanter Unkenntnis der tatsächlichen Gegebenheiten.

Shangri-La?

Das Bild des ?alten Tibet?, wie es, verbreitet über unzählige Bücher und Schriften, heute im Westen geläufig ist, zeigt das eines Paradieses auf Erden – des mythischen Shangri-La –, das den Menschen ein glückliches und zufriedenes Leben in Einklang mit sich selbst, mit der Natur und den Göttern zu führen erlaubt habe. Laut Dalai Lama sei dies dem fortwährenden Einfluss des Buddhismus zu verdanken gewesen, durch den eine ?Gesellschaft des Friedens und der Harmonie? entstanden sei.

Die moderne Geschichtsschreibung weiss indes längst, dass Tibet bis zur Invasion der Chinesen keineswegs die paradiesische Gesellschaft war, die der Dalai Lama ständig beschwört. Für die grosse Masse der Bevölkerung war das ?alte Tibet? tatsächlich eben jene ?Hölle auf Erden?, von der in der chinesischen Propaganda immer die Rede ist; das tibetische Volk aus diesem Elend zu befreien, wurde beim Einmarsch von 1950 als Legitimation und revolutionäre Verpflichtung angesehen.

Die herrschende Mönchselite beutete Land und Menschen mit Hilfe eines weitverzweigten Netzes von Klostereinrichtungen und monastischen Zwingburgen gnadenlos aus. Der relativ kleinen Ausbeuterschicht – ein bis eineinhalb Prozent – stand die Mehrheit der Bevölkerung als ?Leibeigene? beziehungsweise ?unfreie Bauern? gegenüber. Die Steuer- und Abgabenlasten, die diesen Menschen aufgebürdet wurden, drückten sie unter die Möglichkeit menschenwürdiger Existenz. Bitterste Armut und Hunger durchherrschten den Alltag in Tibet. Es gab ausserhalb der Klöster keinerlei Bildungs-, Gesundheits- oder Hygieneeinrichtungen. Privilegierte beziehungsweise benachteiligte Lebensumstände wurden erklärt und gerechtfertigt durch die buddhistische Karmalehre, derzufolge das gegenwärtige Leben sich allemal als Ergebnis angesammelten Verdienstes respektive aufgehäufter Schuld früherer Leben darstelle.

Das tibetische Strafrecht zeichnete sich durch extreme Grausamkeit aus. Zu den bis weit in das 20. Jahrhundert hinein üblichen Strafmassnahmen zählten öffentliche Auspeitschung, das Abschneiden von Gliedmassen, Herausreissen der Zungen, das Abziehen der Haut bei lebendigem Leibe und dergleichen.

Revolutionäre Verpflichtung

Der theokratische Feudalismus Tibets bestand in seiner bis 1950 herrschenden Form seit Mitte des 17. Jahrhunderts, als es der militanten buddhististischen Sekte der Gelbmützen mit Hilfe der Mongolen gelungen war, sämtliche innenpolitischen Gegner auszuschalten. Der seinerzeitige Anführer der Gelbmützensekte, bekannt als der ?Grosse Fünfte Dalai Lama?, erklärte sich in der Folge zur höchsten geistlichen und weltlichen Autorität des Landes. Obwohl Tibet 1720 dem Militärprotektorat der Mandschu zugeordnet wurde und ab 1793 vollends zum Vasallenstaat Chinas geworden war, behielt das Regime der Lamas nach innen uneingeschränkte Macht.

Solange der chinesische Kaiserhof über die erforderliche Stärke verfügt hatte, war China – einschliesslich seines tibetischen Protektorats – vom Rest der Welt fast vollständig abgeschottet geblieben. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts drängten indes mit England und Frankreich militärisch hochgerüstete Westmächte in den ostasiatischen Raum, deren aggressivem Zangengriff das alte China wenig entgegenzusetzen hatte; das Mandschu-Reich zerbröckelte rapide. Durch die Niederlage Beijings im chinesisch-japanischen Krieg von 1894 wurde der Zerfall des Mandschu-Reiches weiter vorangetrieben. Mit der formalen Abdankung Pu-Yis, des letzten chinesischen Kaisers, im Februar 1912 war es endgültig zerbrochen.

Am 14. Februar 1913, so zumindest wird der Sachverhalt kolportiert, habe der seinerzeitige 13. Dalai Lama die Unabhängigkeit Tibets verkündet. Unbeeindruckt von dieser ?Proklamation? beharrte die neue republikanische Regierung Chinas auf ihrem – sozusagen aus dem Kaiserreich ererbten – Hoheitsanspruch. Die völkerrechtlich relevante Frage, ob Tibet zwischen 1913 und 1951 einen eigenständigen und unabhängigen Staat darstellte oder nicht – es ist diese Frage in Hinblick auf die Rechtmässigkeit der chinesischen Invasion von 1950 von entscheidender Bedeutung – lässt sich nicht mit letzter Sicherheit klären. Die UNO, die als einzige Körperschaft solche Klärung vornehmen könnte, hat sich der Frage tibetischer Souveränität zu keinem Zeitpunkt angenommen.

Neben dem aus der Geschichte hergeleiteten Selbstverständnis der Volksrepublik China, demzufolge Tibet seit jeher – spätestens seit 1720 – als untrennbarer Bestandteil des chinesischen Territoriums gilt, wird der Einmarsch von 1950 noch durch weitere Faktoren legitimiert; deren entscheidender war der Anspruch, das tibetische Volk von einem doppelten Joch zu befreien: zum einen aus dem imperialistischer Machtansprüche vor allem Grossbritanniens und der USA, zum anderen aus dem der feudalistischen Leibeigenschaft einer Ausbeuterclique aus Adel und Gelbmützen-Klerus. Die ?Befreiung? Tibets war für die Truppen Maos nicht nur logische Konsequenz, sondern revolutionäre Verpflichtung gewesen.

Ab Mitte der 1950er Jahre wurde in Tibet mit Hilfe der CIA ein grossangelegter Untergrundkampf gegen die Chinesen geführt. Zwei der Brüder des Dalai Lama organisierten von Indien beziehungsweise den USA aus den Guerillakrieg. Im Frühjahr 1959 verliess der Dalai Lama selbst – von langer Hand und mit Hilfe der CIA vorbereitet – Lhasa und begab sich ins indische Exil. Es folgten ihm bis Ende des Jahres rund 30000 Tibeter, bis heute haben rund 120000 Tibeter ihren Wohnsitz im Ausland genommen.

Die insbesondere im Zuge der Kulturrevolution in den 1960er Jahren von der Volksbefreiungsarmee in Tibet verübten Gewalt- und Zerstörungsakte sind durch nichts zu rechtfertigen und zu entschuldigen. Gleichwohl ist den exil?tibetischen Verlautbarungen und denen der internationalen Tibet-Unterstützerszene prinzipiell zu misstrauen: Sie sind, sofern sie nicht völlig aus der Luft gegriffen sind, in der Regel heillos übertrieben oder beziehen sich auf längst nicht mehr aktuelles Geschehen. Die Behauptung der Exilregierung des Dalai Lama, das ?tägliche Leben der Tibeter im eigenen Land? sei bestimmt durch ?Folter, psychischen Terror, Diskriminierung und eine totale Missachtung der Menschenwürde? ist reine Propaganda zur Sammlung von Sympathiepunkten beziehungsweise Spendengeldern; es spiegeln solche Anwürfe nicht die gegenwärtige Realität Tibets wider. Auch die Anwürfe von Zwangsabtreibungen und flächendeckender Sterilisierung tibetischer Frauen, von überflutung des Landes durch chinesische Siedler, von systematischer Zerstörung des tibetischen Kulturerbes entsprechen nicht den Tatsachen.

Die Dalai Lamas als ?Gottkönige? Tibets sind demokratisch durch nichts legitimiert; sie werden, ebenso wie die sonstigen Grosslamas, aufgrund astrologischer und sonstiger Zufallsdeutungen von den Gelbmützen für ihre Rolle ausgewählt. Auch der gegenwärtige Dalai Lama, der sich als vierzehnte Wiedergeburt seiner Amtsvorgänger und letztlich als Emanation der höchsten Gottheit auf dem Dach der Welt, des elf-, gelegentlich auch sechzehnköpfigen und tausendarmigen Chenrezig vorkommt, wurde als Zweieinhalbjähriger auf solchem Wege ausfindig gemacht. Bis heute hat er sich, trotz allen Demokratisierungsgeredes, noch nicht einmal in den exiltibetischen Kommunen durch eine Wahl oder Volksabstimmung legitimieren lassen.

Kollektiver Wahn
 
Menschenunwürdige Unterwerfungsrituale: betende Tibeterin im Kloster Labrang (chinesische Provinz Gansu, 16.3.2008)
Die Doktrin der Gelbmützensekte ist ein abstruses Konglomerat aus Geister- und Dämonenglauben, verbunden mit menschenunwürdigen Unterwerfungsritualen. Wie jede Religion basiert sie wesentlich auf raffiniert und gezielt geschürter Angst vor dem Jenseits. Horrende Monster-, Vampir- und Teufelsvorstellungen durchziehen die Lehre des tibetischen Buddhismus. Wer die Gebote der Lamas nicht befolge, finde sich unweigerlich in einer der sechzehn Höllen wieder. Eine davon bestehe aus einem ?stinkenden Sumpf von Exkrementen?, in dem man bis zum Hals versinke; zugleich werde man ?von den scharfen Schnäbeln dort lebender riesiger Insekten bis aufs Mark zerfressen und zerpickt?. In anderen Höllen wird man verbrannt, zerschlagen, zerquetscht, von Felsbrocken zermalmt oder mit riesigen Rasiermessern in tausend Stücke zerschnitten. Und das, über äonen hinweg, immer wieder aufs neue. Was derlei pathologischer Karmawahn in den Köpfen einfach strukturierter, ungebildeter Menschen anrichtet – ganz zu schweigen von den Köpfen drei- oder vierjähriger Kinder, die man damit vollstopft –, lässt sich nur mit Schaudern erahnen.

Systematisch werden durch den tibetischen Buddhismus geistes- und seelenverkrüppelte Menschen herangezüchtet. Wesentlicher Bestandteil des Ritualwesens, zu dem auch verschiedenste – in der Regel zutiefst frauenverachtende – Sexualpraktiken zählen, ist die Einnahme ?unreiner Substanzen?. Dazu gehören die ?Fünf Arten von Fleisch? (Stier-, Hunde-, Elefanten-, Pferde- und Menschenfleisch) sowie die ?Fünf Arten von Nektar? (Kot, Gehirn, Sexualsekret, Blut und Urin). Als tieferer Grund für derlei tantrische Riten gilt die zu erwerbende Erkenntnis, dass ?kein Ding an sich rein oder unrein ist und alle Vorstellungen von solchen Gegenständen lediglich auf falscher Begrifflichkeit beruhen?.

Opfer solch kollektiven Wahngeschehens ist eine ganze Gesellschaft, die seit Jahrhunderten unter dem Joch dieses von Mönchsgeneration zu Mönchsgeneration weitergegebenen Irrsinns steht. Opfer sind letztlich aber auch die Mönche und Lamas selbst, die, abgerichtet seit frühester Kindheit und jeder Chance auf eigenständiges Denken und Handeln beraubt, das psychopathische Wahnsystem, in dem sie sich bewegen, nicht als solches erkennen können; die, ganz im Gegenteil, ihr verbogenes und verkrüppeltes Selbstverständnis, ihre tantrischen Kot- und Blutrituale für einen Ausdruck höheren Bewusstseins halten, unabdingbar auf dem ?Weg zur Erleuchtung?.

Längst ist im übrigen erwiesen, dass die Sexualpraktiken, deren die tibetischen Lamas sich befleissigen, keineswegs nur visualisiert sind, wie sie behaupten. Seit je werden hierzu ganz reale Mädchen und Frauen herangezogen. Entscheidend, so der Dalai Lama in interner Verlautbarung, sei es, sich vor dem Fehler des Samenergusses zu hüten, denn: ?ohne Ejakulation ist es kein Sex, auch wenn es so aussieht?. Komme es dennoch zum ?Auswurfe des Spermas?, solle man dieses aus der Vagina der ?Weisheitsgefährtin? herausschlürfen. Das Mönchsgebot der Enthaltsamkeit bleibe so gewahrt.

Merkwürdige Freunde

Nach wie vor viel zu wenig bekannt sind die Kontakte des Dalai Lama zu alten und neuen Nazis. Damit ist noch nicht einmal seine Freundschaft zu Heinrich Harrer gemeint, der als SA-Mann und späterer ss-Oberscharführer überzeugter Nazi gewesen war (auch wenn er das bis zu seinem Tod Anfang 2006 abstritt). 1939 war Harrer im Zuge einer ss-Bergsteiger-Expedition zum Nanga Parbat in Nordindien (heute Pakistan) in britische Kriegsgefangenschaft geraten, aus der er 1944 nach Tibet entfliehen konnte. Anfang 1950 lernte er den damals 15jährigen Dalai Lama kennen, dem er in der Folge mehr oder minder regelmässigen Englisch- und Geographieunterricht erteilte. Im November 1950 verliess Harrer Lhasa, seine vielgerühmte Tätigkeit als ?Lehrer und Vertrauter des Gottkönigs? hatte etwas mehr als ein halbes Jahr gedauert.

Gemeint sind vielmehr die freundschaftlichen Kontakte, die der Dalai Lama im Exil zu den Mitgliedern der ss-Expedition Ernst Schäfer pflegte, die 1938/39 in Lhasa zugange war. Die Nazis, Himmler vorneweg, hatten grösstes Interesse an Tibet gehegt, wo man, basierend auf den theosophischen Schriften Helena Blavatskys, das Hirngespinst verfolgte, es hätten überlebende des untergegangenen Kontinents Atlantis im tibetischen Hochland sagenhafte unterirdische Reiche geschaffen, in denen ihr uraltes höheres Wissen bewahrt würde. Insofern wähnte man auch den Ursprung der ?nordischen Rassenseele? in Tibet beheimatet. Selbstredend gab es auch handfestes politisches beziehungsweise militärisches Interesse an ?Inner?asien?. In den Kinos wurden ständig irgendwelche Tibet-Filme gezeigt, es gab zahllose Ausstellungen und Veröffentlichungen zum ?Dach der Welt?. Das heutige grosse Interesse an Tibet hat, wenn auch mit anderen Vorzeichen, seine Wurzeln mithin in der flächendeckenden Tibet-Propaganda der Nazis.

Der Dalai Lama, dessen Regent Reting Rinpoche im Jahre 1939 die Schäfer-Delegation offiziell im Potala empfangen und mit einem Freundschaftsschreiben an den ?trefflichen Herrn Hitler, König der Deutschen? versehen hatte, weigert sich bis heute, irgendwelche Auskunft zu den damaligen Unterredungen zu geben. Bis in die 1990er Jahre hinein pflegte er statt dessen regen Kontakt zum letzten überlebenden der Expedition von 1939, zu dem 1998 verstorbenen ss-Hauptsturmführer Bruno Beger, der 1971 als Nazikriegsverbrecher (?Rassenspezialist von Auschwitz?) verurteilt worden war, aber nur kurze Zeit abzusitzen hatte. Man traf einander oftmals zu persönlichen Gesprächen, jeweils in herzlichster Atmosphäre.

Gemeint sind desweiteren die Begegnungen des Dalai Lama mit Miguel Serrano, dem Vorsitzenden der ?Nationalsozialistischen Partei? Chiles. Serrano, ehedem Botschafter Chiles in österreich, gilt als Vordenker des sogenannten Esoterischen Hitlerismus. In seinen Publikationen halluziniert er, der ?Führer? sei nach wie vor am Leben und plane von einer unterirdischen Basis in der Antarktis aus, mittels einer gigantischen Flotte von UFOs die Weltherrschaft zu erringen. Gemeint sind vor allem auch die Kontakte des Dalai Lama zu dem japanischen Terroristen und Hitler-Verehrer Shoko Asahara, den er mehrfach und in allen Ehren in Dharamsala empfing. Er stattete Asahara mit zwei hochoffiziellen Empfehlungsschreiben aus, die wesentlich zum Aufstieg der AUM-Sekte zu einer der gefährlichsten Terrorgruppen beitrugen, die es jemals gegeben hat. Die U-Bahn-Attentate in Tokio vom 20. März 1995 – es hatte seinerzeit zwölf Tote und über 5000 teils Schwerstverletzte gegeben – waren nur das Vorspiel zu einem geplanten Massenmord an 20 Millionen Menschen gewesen: Die Sekte plante, die gesamte Einwohnerschaft Tokios mit Botulismusbakterien auslöschen, womit Asahara seinen Anspruch als buddhokratischer Weltendiktator zu unterstreichen beabsichtigte. Zu einer klaren Verurteilung seines ?spirituellen Freundes? konnte der Dalai Lama sich bis heute nicht durchringen.

Inhärente Existenz

Nach Deutschland kommt ?Seine Heiligkeit? offenbar besonders gerne. Im zurückliegenden Jahr war er gleich dreimal da: Im Frühsommer wurde ihm eine besondere Ehrung durch die Bild-Zeitung zuteil, die ihren langjährigen Werbeaugust mit einem hauseigenen Preis auszeichnete, im Sommer führte er den Vorsitz einer buddhistischen Unterweisungswoche in Hamburg, und im Herbst reiste er an, um die Ehrendoktorwürde der Universität Münster entgegenzunehmen. Bei jedem seiner Auftritte überschlugen sich die Medien fast vor Begeisterung, ungeachtet dessen, ob er nun alberne Kalendersprüche abliess über das ?wahre Glück?, das nur zu erlangen sei, wenn man es wirklich wolle oder sich in pseudophilosophischen Abstrusitäten erging: ?Dass Erscheinungen unter letztgültiger Analyse nicht gefunden werden können, zeigt an, dass sie nicht wirklich existieren. Da sie leer sind in bezug auf die konkrete Existenzweise, in der sie erscheinen, ist klar, dass sie im Kontext und Wesen der Leere in bezug auf inhärente Existenz existieren. Dass etwas nicht gefunden werden kann, heisst also, dass es nicht nicht existiert, sondern dass es nicht wirklich existiert.? Derlei Erkenntnis, so die grosse Leuchte der Weisheit, sei freilich nicht innerhalb eines einzelnen Menschenlebens zu gewinnen. Es bedürfe Tausender aufeinanderfolgender Leben, um in solch schwindelnde Höhen des Geistes vorzudringen.

Von Münster aus ging es nach Wiesbaden zu einem Besuch von Tibetfreund Roland Koch, dann nach Berlin, wo ein ?privater Meinungsaustausch? mit Bundeskanzlerin Angela Merkel anberaumt war. Sonderlob für dieses Treffen gab es von Horst Köhler und von der FDP. Auch die NPD entdeckte Gemeinsamkeiten: die ?klar nationalistischen Positionen? des Führers vom Dach der Welt seien beispielgebend. Die Kanzlerin hätte besser nicht nur die spirituellen, sondern auch die politischen Ansichten des Dalai Lama studieren sollen. Dieser hat im übrigen bislang nicht erklärt, ob er mit seinen völkischen ?Tibet-den-Tibetern?-Parolen nur die Ausweisung von Han-Chinesen aus Grosstibet im Auge hat oder ob auch nichttibetische Minderheiten wie Bai, Dengba, Hui, Lhoba, Monba, Mongolen, Naxi, Sherpa oder Uiguren aus dem Land getrieben werden sollen.


Teil II folgt bald.

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Ferdinand
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« Antworten #139 am: März 29, 2008, 02:27:29 »

@hom80

 
Zitat:
Teil II folgt bald.


Bringst du es vielleicht auch einmal fertig einen eigenen, aussagekräftigen Beitrag zu diesen Themen zu verfassen?
Oder wirst du dich auch zukünftig darauf beschränken mittels ?copy and paste“ auf das unerschöpfliche Reservoire an langen und eintönigen jungewelt.de Artikeln zurückzugreifen?

Ferdinand


"Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode."
William Shakespeare
« Letzte Änderung: März 29, 2008, 02:33:31 von Ferdinand » Gespeichert
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