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failed state: Schurken- und andere Staaten
Archiv - TIP Zeitung für Thailand
März 07, 2021, 01:20:01 *
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Autor Thema: failed state: Schurken- und andere Staaten  (Gelesen 38439 mal)
khun lutz
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« Antworten #120 am: März 19, 2008, 12:47:10 »

Was es auch immer darstellen soll, es bringt mich zum lachen und das ist manchmal nicht so einfach ernst zu bleiben, auch wenn es dein Posting so erfordern würde.

without pink goggles
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Ferdinand
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« Antworten #121 am: März 19, 2008, 12:49:50 »

Das sage ich doch schon immer, in diesen Fragen spielt im Endeffekt Moral oder Gerechtigkeit in der Realität kaum eine Rolle.
Alles läuft auf militärische Macht oder Ohnmacht hinaus.
Der Rest ist psychologische Kriegsführung und Propaganda.
Das war in der gesamten Menschheitsgeschichte so.

Was dem einen als Terrorismus gilt, ist dem anderen heldenhafter Freiheitskampf.
Und was dem einen Völkermord ist, gilt dem anderen als nationale Selbstbehauptung, bzw. im Falle der Bolschewisten als die legitime Bekämpfung reaktionärer Kräfte.

Was politische Agitation betrifft klingen die Formulierungen von Linksfaschisten wie Werner Pirker heute zwar antiquiert, aber in ihrem Atavismus und ihrer unbeirrbaren Penetranz wirkt diese Propaganda schon wieder amüsant.
Man könnte solche Pamphlete als unbeabsichtigte Realsatire ihrer selbst bezeichnen.


Ferdinand

PS.:
Ich finde den lila Nasenbär voll gut. Den muss ich ausdrucken und an meinen Trading screen kleben. Wenn ich dann z.B. sehe wie der DAX gerade 3,41% im Plus ist werde ich dem lila Nasenbär mit einem Glas Orangensaft zuprosten.
Mit kapitalistisch abgespreiztem kleinen Finger. [Lächelnd]



"Alles Bedeutende im Strom des Lebens ist durch Sieg und Niederlage entstanden."
Oswald Spengler
« Letzte Änderung: März 19, 2008, 01:02:29 von Ferdinand » Gespeichert
Kubo
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« Antworten #122 am: März 19, 2008, 01:32:17 »

Zitat:
Die Volksrepublik China wird sich ihre Provinz am Dach der Welt nicht abnehmen lassen.


Das habe ich aus dem von Hom80 veröffentlichten Text entnommen..Es war mir allerdings schon vorher ziemlich klar ..

Aber die Amis mit ihrem bereits vom ständigen Vervielfältigen inzwischen kaputten Dollar sind nicht so erfolgreiche Provinzverteidiger wie die Chinesen. Die Provinz Irak werden sie nicht halten können und wir treudoofen Deutschen das US-Afghanistan unter dem von den USA eingesetzten Präsidenten, ..dem ehemaligen Mitarbeiter eines US-ölkonzerns..sowieso nicht. [8D]

« Letzte Änderung: März 19, 2008, 01:33:00 von Kubo » Gespeichert
beerchang

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« Antworten #123 am: März 19, 2008, 04:29:12 »

Zitat:
Zitat:
Mit einer Rede zum 49. Jahrestag der Niederschlagung des klerofaschistischen Aufstandes hat der Dalai Lama eine marodierende Menge in Bewegung gesetzt und das eigene Friedensgeschwafel in seiner latenten Aggressivität blossgestellt


Mit der Androhung, seine  Funktion als Asylpolitiker zurückzulegen und nicht mehr als politischer Führer für seine tibetanischen Landsleute zur Verfügung zu stehen, falls das Prinzip der Gewaltlosigkeit von diesen nicht mehr berücksichtigt werden sollte, brachte der Dalai Lama doch ganz klar zum Ausdruck, dass er Gewalt niemals billigen würde.
Das geistliche Oberhaupt der von den Chinesen politisch entrechteten Tibetern als Verursacher der derzeitigen Unruhen in Tibet zu bezeichnen, geht meines Erachtens ganz weit an der Realität vorbei.

Die Chinesen werden wohl mit eisernem Besen auskehren, falls die Unruhen nicht schnellstens abebben. Dass dabei die Erhebung  des tibetischen Volkes von den chinesischen Militärs gnadenlos mit Waffengewalt niedergeschlagen wird, so wie der Aufstand in Myanmar,
ist für mich so sicher wie das viel zitierte Amen im Gebet.

Die gigantische Wirtschaftsmacht China kann sich das einfach erlauben.

Welches Land der Welt wird denn schon ernsthafte Kritik an den Politikverantwortlichen Chinas üben oder gar an Sanktionen denken, wenn doch so profitable Geschäfte mit dem Reich der Mitte winken.
Geld kommt weit vor der Moral, das allen Träumern ins Stammbuch geschrieben.
« Letzte Änderung: März 19, 2008, 04:30:51 von beerchang » Gespeichert
hom80
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« Antworten #124 am: März 21, 2008, 08:52:46 »

Auf revolutionärer Basis
Vorabdruck. Soziale Ursprünge des ökonomischen Aufstiegs Chinas
Von Giovanni Arrighi


Revolution als Reformgrundlage

Was die Beziehungen zwischen den Reformen und Chinas sozialistischer Tradition angeht, gibt es mindestens zwei gute Gründe dafür, dass die KPCh unter Deng die Kulturrevolution, aber nicht die durch die Chinesische Revolution begründete Tradition ablehnte.
Erstens vollendeten die internen Unstimmigkeiten und das politische Chaos der späteren Jahre der Kulturrevolution die Errungenschaften der Chinesischen Revolution, drohten diese aber gleichzeitig zunichte zu machen. Und zweitens verschonte der Ansturm der Kulturrevolution die KPCh nicht, vielmehr unterminierte er die Basis der Macht und Privilegien ihrer Kader und Funktionäre im Verwaltungsapparat. So hatten Dengs Reformen einen doppelten Reiz: für Parteikader und Funktionäre als Mittel zur Wiederherstellung ihrer Macht und Privilegien auf neuer Grundlage, und für die Gesellschaft im allgemeinen als Mittel zur Konsolidierung der Errungenschaften der Chinesischen Revolution, die die Kulturrevolution gefährdet hatte.

Was den ersten Anreiz betrifft, so schufen die Reformen unzählige Gelegenheiten zur Neuausrichtung unternehmerischer Energien von der politischen auf die wirtschaftliche Sphäre, die Parteikader und -funktionäre eifrig beim Schopf packten, um sich im Bündnis mit Regierungsbeamten und Managern von Staatsunternehmen – häufig selbst einflussreiche Parteimitglieder – zu bereichern und Macht zu erlangen. Dabei wurde mit diversen Formen der Akkumulation durch Enteignung, etwa der Aneignung öffentlichen Besitzes, der Veruntreuung staatlicher Gelder und dem Verkauf von Landnutzungsrechten, der Grundstock riesiger Vermögen gelegt.
Unklar ist jedoch, ob Bereicherung und Machterwerb dieser Art zur Herausbildung einer kapitalistischen Klasse geführt haben und, noch wichtiger, ob eine solche Klasse, wenn sie denn entstanden ist, die Kontrolle über die Kommandohöhen der chinesischen Wirtschaft und Gesellschaft übernehmen konnte. Unter Jiang Zemin (1989–2002) schien eine positive Antwort auf beide Fragen nahezuliegen.
Aber unter Hu Jintao und Wen Jiaobao – wenn die Zeitspanne zur Beurteilung ihrer Orientierung auch kürzer ist – kommt es anscheinend zu einer Umkehr, durch die eine positive Antwort, insbesondere auf die zweite Frage, viel weniger naheliegt.2

Was den Reiz von Dengs Reformen für die Gesellschaft im allgemeinen betrifft, so müssen wir zunächst anerkennen, dass der Erfolg der Reformen in hohem Masse auf früheren Errungenschaften der Chinesischen Revolution beruhte. Wenn westliche und japanische Beobachter Chinas Arbeiterschaft im Vergleich zu der Indiens, einschliesslich ländlicher Migranten, für ihre Bildung, Lernwilligkeit und Disziplin loben, schreibt Au Loong-yu,
?kommt ihnen gar nicht in den Sinn, dass einer der Faktoren hierfür die grosse Veränderung durch die vorhergehende Landreform ist, und die aus ihr folgende kollektive Versorgung mit ländlicher Infrastruktur und Bildung, und nicht etwas, das mit der späteren Marktreform zu tun hatte?.3 Der Boom in der landwirtschaftlichen Produktion von 1978 bis 1984 hatte etwas mit den Reformen zu tun, aber nur, weil sie auf dem Vermächtnis der Mao-ära aufbauten.
1978 bewässerten die Gemeinden Chinas mehr als doppelt so viel Ackerland wie 1952 und setzten verstärkt verbesserte Technologien ein, wie Düngemittel und ertragreichen Halbzwergreis, der 1977 auf 80 Prozent der chinesischen Reisanbaufläche wuchs.
?Zu dem Boom in der landwirtschaftlichen Produktion kam es dadurch, dass die während der Mao-ära aufgebaute produktive Basis mit den Anreizen durch das System der Eigenverantwortlichkeit der Haushalte verbunden wurde.?4

Chinas grösste Fortschritte im Pro-Kopf-Einkommen traten nach 1980 auf. Aber die grössten Fortschritte in der Lebenserwartung Erwachsener und, in einem geringeren Ausmass, in der Alphabetisierungsrate Erwachsener, das heisst in der Grundversorgung, traten vor 1980 auf. Dieses Muster ist ein starker Beleg für die Behauptung, dass Chinas wirtschaftlicher Erfolg auf den aussergewöhnlichen sozialen Errungenschaften der Mao-ära aufbaute.
In einem 1981 veröffentlichten Bericht erkannte sogar die Weltbank die Bedeutung dieser Errungenschaften an. ?Chinas bemerkenswerteste Errungenschaft der letzten dreissig Jahre ist, dass die untersten Einkommensschichten hier in bezug auf Grundbedürfnisse viel besser gestellt sind als in den meisten anderen armen Ländern.
Sie haben Arbeit, ihre Nahrungsmittelversorgung wird durch eine Mischung aus staatlicher Rationierung und kollektiver Eigenversicherung gewährleistet, der grösste Teil ihrer Kinder besucht nicht nur eine Schule, sondern erhält auch einen vergleichsweise guten Unterricht, und die grosse Mehrheit hat Zugang zu elementarer Gesundheitsversorgung und Familienplanungsdiensten. Die Lebenserwartung– deren Abhängigkeit von vielen wirtschaftlichen und sozialen Variablen sie wahrscheinlich zum besten Einzelindikator für das Ausmass echter Armut in einem Land macht – ist ausserordentlich hoch für ein Land mit einem Pro-Kopf-Einkommen dieses Niveaus.?5

Weltpolitik nach Kapitalregeln
 
Ob Dengs Reformen diese Errungenschaften konsolidiert oder unterminiert haben, ist ein strittiger Punkt, zu dem ich hier nur zwei Betrachtungen anstellen möchte. Erstens hatten sich die Indikatoren für die Grundversorgung der Bevölkerung Chinas (Lebenserwartung und Alphabetisierungsrate Erwachsener) schon vor den Reformen so stark verbessert, dass es wenig Raum für weitere entscheidende Verbesserungen gab. Und doch kam es zu weiteren Verbesserungen, insbesondere in der Alphabetisierungsrate Erwachsener. Von diesem Standpunkt aus scheint es, als hätten die Reformen die vorhergehenden Errungenschaften der Chinesischen Revolution konsolidiert und nicht unterminiert.

Zweitens darf man die Bedeutung von Chinas Fortschritten im Pro-Kopf-Einkommen während der Reformära nicht unterschätzen, selbst wenn sie nicht mit einer entsprechenden Verbesserung der Grundversorgung einhergingen. In einer kapitalistischen Welt ist, wie wir wiederholt betont haben, der nationale Wohlstand, gemessen am Pro-Kopf-Einkommen, die primäre Quelle nationaler Macht.
Selbst wenn das Streben nach nationaler Macht die Veränderung der Welt in eine sozialistische Richtung bezweckt, blieb der KPCh, wie Mao stets immer sehr genau verstand, wenig anderes übrig, als das Spiel der Weltpolitik nach den bestehenden kapitalistischen Regeln zu spielen. Als die bevorstehende Niederlage in Vietnam die Vereinigten Staaten zwang, die normalen Handels- und diplomatischen Beziehungen Chinas mit dem übrigen Ostasien und der Welt im Ganzen wieder zuzulassen, war es für das kommunistische China vollkommen sinnvoll, die sich aus diesen Beziehungen ergebenden Chancen zu nutzen, um seinen nationalen Wohlstand und seine Macht zu steigern. Noch bevor die US-amerikanische Invasion im Irak dem chinesischen Aufstieg neuen Schwung verlieh, zeigten Richard Bernstein und Ross Munro ungeschminkt, aber scharfsinnig die wahre politische Bedeutung von Chinas Wechsel zur Marktwirtschaft auf.

?Die Ironie der chinesisch-amerikanischen Beziehungen besteht darin, dass China, als es sich fest im Griff des ideologischen Maoismus befand und solche ideologische Verbissenheit an den Tag legte, dass Amerikaner es für gefährlich und bedrohlich hielten, in Wirklichkeit ein Papier?tiger war, schwach und praktisch ohne globalen Einfluss. Nun, da China die äusseren Zeichen des Maoismus abgelegt und einen pragmatischen Kurs der wirtschaftlichen Entwicklung und des globalen Handels eingeschlagen hat, scheint es weniger bedrohlich, erwirbt aber tatsächlich die erforderlichen Mittel, um seinen globalen Ambitionen und Interessen mit echter Macht Nachdruck zu verleihen.?6

Eine präzisere Version dieser Bewertung ist, dass die KPCh, solange China durch die US-amerikanische Politik des Kalten Krieges vom globalen Handel abgeschnitten war und sich militärisch durch die UdssR bedroht fühlte, dazu getrieben wurde, Ideologie als Hauptwaffe im Kampf um die nationale und internationale Konsolidierung ihrer Macht einzusetzen. Aber als die ideologische Waffe in den letzten Jahren der Kulturrevolution begann, auf sie zurückzuschlagen, etwa zur selben Zeit, als die USA im Kalten Krieg gegen die UdssR ein Bündnis mit China anstrebten, waren die Voraussetzungen geschaffen für eine pragmatische Nutzung des Marktes als Instrument des Machterwerbs der KPCh auf nationaler und der Volksrepublik China auf internationaler Ebene. Während über den Machterwerb der KPCh das letzte Wort noch nicht gesprochen ist – da noch nicht klar ist, ob ihr Einfluss auf Staat und Gesellschaft Chinas gestärkt oder geschwächt worden ist –, steht bereits fest, dass die Wirtschaftsreformen für den Machterwerb der Volksrepublik ein durchschlagender Erfolg waren.

Revolutionäre Basis: Bauernschaft

Warum also einen neuen Kurs einschlagen, wie die KPCh es unter ihrer neuen Führung getan hat? Was hat die Veränderung ausgelöst, und in welche Richtung wird sie Chinas ökonomie und Gesellschaft aller Voraussicht nach führen? Wang Huis Beobachtungen zur Beziehung zwischen Dengs Reformen und der Tradition der Chinesischen Revolution geben uns einen Anhaltspunkt zur Beantwortung dieser Fragen. Die Grundlage dieser Tradition ist eine eigene chinesische Sorte von Marxismus-Leninismus, die mit der Aufstellung der Roten Armee in den späten 1920er Jahren entstand, sich aber erst nach der Besetzung von Chinas Küstenregionen durch Japan in den späten 1930er Jahren voll entwickelte. Diese ideologische Neuerung hatte zwei Hauptbestandteile.

Erstens wurde das leninistische Prinzip der Partei als Avantgarde beibehalten, die aufrührerische Stossrichtung der leninistischen Theorie aber aufgegeben. In der stark zersplitterten Einzelstaatsstruktur des Chinas der Bandenchefs und der Guomindang (GMD) gab es keinen ?Winterpalast? zu stürmen oder besser gesagt, es gab zu viele solcher Paläste, als dass eine aufständische Strategie irgendeine Erfolgschance gehabt hätte. Die aufrührerischen Aspekte der leninistischen Theorie wurden daher durch das ersetzt, was Mao später als ?Massenlinie? zur Theorie erhob – die Idee, dass die Partei als Avantgarde nicht nur Lehrer, sondern auch Schüler der Massen sein sollte. ?Dieses Von-den-Massen-zu-den-Massen-Konzept?, so bemerkt Fairbank, ?war tatsächlich eine Art Demokratie, angepasst an die Tradition Chinas, wo der Beamte der oberen Klassen dann am besten regierte, wenn ihm die wahren Wünsche der Menschen vor Ort am Herzen lagen, und er so in ihrem Interesse regierte.?7

Zweitens, in der Frage nach der gesellschaftlichen Basis gab die KPCh der Bauernschaft statt dem städtischen Proletariat – Marx’ und Lenins revolutionärer Klasse – den Vorrang.
Wie das Massaker der GMD an kommunistisch geführten Arbeitern in Shanghai 1927 demonstriert hatte, waren die Küstenregionen, in denen sich das Gros des städtischen Proletariats konzentrierte, ein viel zu trügerisches Gelände, um von hier aus die ausländische Vorherrschaft und die Hegemonie der GMD über die chinesische Bourgeoisie herauszufordern. Da sie durch die im westlichen Stil ausgebildeten und ausgerüsteten GMD-Armeen immer weiter von den Stätten der kapitalistischen Expansion fortgetrieben wurden, blieb der KPCh und der Roten Armee nichts anderes übrig, als ihre Wurzeln unter der Bauernschaft in armen und entlegenen Gegenden zu schlagen. Dies führte zu dem, was Mark Selden als ?einen in beide Richtungen wirkenden Sozialisationsprozess? beschrieben hat, in dem die Parteiarmee die subalternen Schichten der chinesischen ländlichen Gesellschaft zu einer mächtigen revolutionären Kraft formte und ihrerseits von den Bestrebungen und Werten dieser Schichten geprägt wurde.8

Die Verbindung dieser beiden Merkmale mit der modernistischen Stossrichtung des Marxismus-Leninismus ist die Grundlage der chinesischen revolutionären Tradition und trägt zur Erklärung der Schlüsselaspekte des chinesischen Entwicklungspfads vor und nach den Reformen sowie der jüngsten Veränderung der politischen Linie unter Hu bei. Zuallererst erklärt sie, warum in Maos China, in scharfem Gegensatz zu Stalins UdssR, die Modernisierung nicht durch die Zerstörung der Bauernschaft, sondern durch eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage und ihrer Bildung angestrebt wurde.
Zweitens erklärt sie, warum die chinesische Modernisierung, vor und nach den Reformen, nicht nur auf die Internalisierung der westlichen industriellen Revolution gegründet war, sondern auch auf die Wiederbelebung der Merkmale der einheimischen Fleissrevolution mit ihrer ländlichen Basis. Drittens erklärt sie, warum unter Mao die Tendenz zur Herausbildung einer städtischen Bourgeoisie von Funktionären der Staatspartei und Intellektuellen durch ihre ?Umerziehung? in ländlichen Gegenden bekämpft wurde. Schliesslich erklärt sie, warum Dengs Reformen zuerst in der Landwirtschaft gestartet wurden und warum sich Hus neuer Kurs auf den Ausbau der Gesundheits-, Bildungs- und Wohlfahrtsleistungen in ländlichen Gegenden unter dem Banner einer ?neuen sozialistischen Landschaft? konzentriert.

Stadt-Land-Kooperation

Das eigentliche, dieser Tradition zugrunde liegende Problem besteht darin, ein Land zu regieren und zu entwickeln, dessen Landbevölkerung grösser ist als die Gesamtbevölkerung Afrikas, Lateinamerikas oder Europas. Kein anderes Land ausser Indien hatte je ein auch nur ansatzweise vergleichbares Problem.
Von diesem Standpunkt aus, und wie schmerzlich die Erfahrung für städtische Funktionäre und Intellektuelle auch gewesen sein mag, konsolidierte die Kulturrevolution die ländliche Basis der Chinesischen Revolution und leistete die Vorarbeit für den Erfolg der Wirtschaftsreformen. Es genügt zu erwähnen, dass– teilweise als Ergebnis der Politik, teilweise als Ergebnis der Störung des städtischen Industriebetriebs durch parteiinterne Konflikte– grosse Nachfrage nach den Produkten ländlicher Unternehmen bestand, was zu einer bedeutenden Expansion der Kommunen- und Brigadeunternehmen führte, aus denen später viele der TVEs (Township and Village Enterprises, Kollektive Gemeinde- und Dorfunternehmen; d. Red.) hervorgingen.

Gleichzeitig gefährdete die Kulturrevolution nicht nur, wie bereits bemerkt, die Macht der Funktionäre der Staatspartei und die politischen Errungenschaften der Chinesischen Revolu?tion, sondern auch die gesamte modernistische Komponente der revolutionären Tradition. Ihre Ablehnung zugunsten von Wirtschaftsreformen wurde daher als wesentlich für eine Wiederbelebung dieser Komponente präsentiert und wahrgenommen. Im Lauf der Zeit jedoch liess gerade der Erfolg dieser Wiederbelebung das Pendel in die entgegengesetzte Richtung ausschlagen und unterminierte Mitte bis Ende der 1990er Jahre ernsthaft die revolutionäre Tradition.
Insbesondere zwei Entwicklungen kennzeichneten diese Tendenz:
ein enormer Anstieg der Einkommensunterschiede und die wachsende Unzufriedenheit des Volkes mit den Methoden und den Folgen der Reformen.

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Erscheint in den nächsten Tagen: Giovanni Arrighi, Adam Smith in Beijing. Die Genealogie des 21. Jahrhunderts, aus dem US-Amerikanischen von Britta Dutke, VSA-Verlag Hamburg, 520 S., 36,80 Euro


Giovanni Arrighi ist Professor für Soziologie und Direktor des ?Institute for Global Studies in Culture, Power and History? an der Johns Hopkins University in Baltimore/MD, USA
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Ferdinand
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« Antworten #125 am: März 21, 2008, 01:23:28 »

Was steckt hinter der Fassade dieses langen Textes aus wissenschaftlich-soziologisch verbrämtem marxistischem Kauderwelsch welches von hom80, unserem lila Nasenbär, höchstwahrscheinlich selbst nicht verstanden wird? [Smiley]

China schliesst erst wieder an seine alte Position als Weltmacht an, seitdem es den Kommunismus faktisch abgeschafft hat.
Niemals zuvor oder danach war China in einer ähnlich desaströsen Situation wie unter Mao.
Mao hat China in die ökonomische und gesellschaftliche Katastrophe geführt.  
In keinem anderen Land der Welt hat jemals ein ideologischer Wahn so viele Menschenleben gekostet wie in China.
Ein Ausmass an Zerstörung von chinesischer Kultur und Gesellschaft welches nicht einmal annähernd von Mongolensturm und westlichem Kolonialismus erreicht wurde.
Der aktuelle Aufstieg Chinas resultiert aus alten chinesischen Tugenden und der schöpferischen Kraft des chinesischen Volkes basierend auf Konfuzianismus, Marktwirtschaft und Nationalismus.

Wer sich wirklich für chinesische Zeitgeschichte interessiert, dem empfehle ich z.B. dieses Buch:

Mao
von Jung Chang, Jon Halliday


amazon.de/Mao-Jung-Chang/dp/3570550338/ref=pd_bbs_sr_1?ie=UTF8&s=books&qid=1206079455&sr=8-1

Auszug aus der Kurzbeschreibung:

Mythos und Massenmörder - das Leben des Mao Tse-tung

Es war nicht das Wohl seines Volkes, das Mao Tse-tung, dem Grossen Vorsitzenden der Volksrepublik China, am Herzen lag. Es war auch nicht die kommunistische Ideologie, obwohl er ihren weltweiten Sieg anstrebte. Das Motiv von Maos Handeln war ausschliesslich und zu jeder Zeit sein absoluter Wille zur Macht. Ob auf persönlicher, auf nationaler, auf internationaler Ebene - sein Machthunger war grenzenlos. Mao Tse-tung hat nicht alle, aber viele seiner Ziele erreicht, und China hat teuer dafür bezahlt: mit dem Leben von 70 Millionen Menschen.
...

Rezensionen:

"Eine Biografie über den 'Grossen Steuermann', der zuzutrauen ist, was Historiker seit Jahren vergebens versuchen: den Mao-Mythos ein für alle Mal zu zertrümmern. Die fulminante, knapp 1000-seitige Anklageschrift bringt alle Voraussetzungen mit, Maos Bild zumindest im Westen auf breiter Basis neu zu definieren. Sie wurde nämlich nicht im akademischen Elfenbeinturm verfasst, sondern von der Chinesin Jung Chang - eine der erfolgreichsten Autorinnen der Welt."
Der Spiegel

"Dieses Buch rüttelt auf, es verstört. Jeder, der mit China zu tun hat, ob als Politiker oder als Vertreter der Wirtschaft, ob als Student oder als Tourist, sollte dieses Buch lesen."
Die Zeit


Ferdinand

PS.:
Tom, ich warte jetzt natürlich noch auf deinen Kommentar! [Zwinkernd]


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Oswald Spengler
« Letzte Änderung: März 21, 2008, 03:02:18 von Ferdinand » Gespeichert
Louis
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« Antworten #126 am: März 21, 2008, 01:39:49 »

Das von Ferdinand empfohlene Buch ist wirklich gut und sollte jedem Kommunisten als Bettlektüre dienen. Im Anschluss empfehle ich dann noch das Buch, das Jung Chang vor der Mao-Biographie geschrieben hat, in diesem erzählt sie die Geschichte ihrer Familie ab Beginn 20. Jahrhundert: Wilde Schwäne (ebenfalls in allen Buchgeschäften erhältlich).

Wer die Bücher kennt, weiss, dass bei Sätzen von Hom80 wie "Zuallererst erklärt sie, warum in Maos China die Modernisierung durch eine Verbesserung ihrer [der Bauernschaft] wirtschaftlichen Lage angestrebt wurde." noch nicht einmal die Hühner lachen. So einen Quatsch hab ich schon lange nicht mehr gelesen...
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hom80
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« Antworten #127 am: März 21, 2008, 10:27:15 »

HAllo Louis,

dieser Satz stammt (leider) nicht von mir, sondern von Giovanni Arrighi. Er ist Professor für Soziologie und Direktor des ?Institute for Global Studies in Culture, Power and History? an der Johns Hopkins University in Baltimore/MD, USA

Aber zumindest hast du eine der zentralen Aussagen dieses Textes erfasst. >> "Zuallererst erklärt sie, warum in Maos China die Modernisierung durch eine Verbesserung ihrer [der Bauernschaft] wirtschaftlichen Lage angestrebt wurde."<<

NAch deinem Verständnis wurde in "Maos China" wahrscheinlich nur die Ermordung von Menschen angestrebt. Und wahrscheinlich folgt der folgende SAtz auch deinem China verständnis: "China ist heute sehr erfolgreich trotz MAo".

Tut mir Leid, meiner Meinung nach ist es mit deinem Politikverständnis nicht weit her. Ich halte nichts von Theorien, dass ein Mensch die Politik bestimmt und Geschichte macht.
Hitler war nicht Ursache oder bestimmte alleine NAzideutschland.
Genau wie MAo nicht China war. So kann man Geschichte nicht verstehen.
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Ferdinand
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« Antworten #128 am: März 22, 2008, 12:39:16 »

@hom80

 
Zitat:
"China ist heute sehr erfolgreich trotz MAo".
Tut mir Leid, meiner Meinung nach ist es mit deinem Politikverständnis nicht weit her.


Ich würde es so formulieren:
China ist heute so erfolgreich, weil die Chinesen Mao und seine verbrecherischen Pläne auf die Müllhalde der Geschichte geworfen haben.
Abgesehen von einigen Portraits und Büsten Maos, welche von der kommunistischen Partei Chinas aus machttechnischen Gründen immer noch vorgezeigt und abgestaubt werden.
Obwohl die chinesischen Machthaber ja heute in allen Bereichen eindeutig das Gegenteil von Maos Lehren praktizieren und sich schon lange wieder auf Konfuzianismus, Marktwirtschaft und Nationalismus besonnen haben.
Es sich beim Prädikat ?Kommunismus“ im heutigen China also nur noch um einen Etikettenschwindel handelt.

Wodurch sich aber die versprengten, kommunistischen Politclowns Deutschlands in ihrer Propaganda offensichtlich nicht beirren lassen, in Ermangelung vorzeigbarer kommunistischer Staaten.


Ferdinand


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« Letzte Änderung: März 22, 2008, 12:42:22 von Ferdinand » Gespeichert
hom80
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« Antworten #129 am: März 22, 2008, 12:52:37 »

Welche verbrecherischen Pläne MAos meinst du denn?
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« Antworten #130 am: März 22, 2008, 08:39:30 »

Zitat:
Original erstellt von: hom80

Welche verbrecherischen Pläne MAos meinst du denn?


Er meint alle Pläne, die Mao hatte. Und die dienten einem einzigen Ziel: Machterhalt.

Typisch ist ja wieder mal, dass man als "unwissend" (O-Ton: Mit deinem Politikverständnis ist es nicht weit her) hingestellt wird, nur weil man eine andere Meinung vertritt. ähnliches habe ich schon bei Büchern oder Filmen gehört. Wenn ich einen Film schlecht finde, den Du magst, wirst Du mir sicherlich vorwerfen, ich hätte keine Ahnung. So eine Argumentation ist einfach lächerlich.

Mich würde mal interessieren, ob Du die beiden oben genannten Bücher gelesen hast. Wenn ja, hätte ich mal gerne ein paar Gegenargumente gehört, abgesehen davon, dass Du wahrscheinlich der Meinung bist, dass da nur Lügen drin stehen.

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hom80
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« Antworten #131 am: März 22, 2008, 08:42:38 »

Louis ich frag dich nochmal, welche Pläne bitte?
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« Antworten #132 am: März 22, 2008, 09:30:02 »

Machterhalt.
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hansgru

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« Antworten #133 am: März 22, 2008, 01:29:41 »

@Ferdinand
Der aktuelle Aufstieg Chinas resultiert aus alten chinesischen Tugenden und der schöpferischen Kraft des chinesischen Volkes basierend auf Konfuzianismus, Marktwirtschaft und Nationalismus.

vielleicht noch die (soziale) Marktwirtschaft?

nein,es war die Feudalherrschaft und die Zukunft kann sie auch wieder bringen.

In den letzten Jahrzehnten sind auf der Erde unglaubliche Reichtümer entstanden ... Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ist der objektive Mangel besiegt und die Utopie des gemeinsamen Glückes wäre materiell möglich. Und gerade jetzt findet eine brutale, massive Refeudalisierung statt. Die neuen Kolonialherren, die multinationalen Konzerne ... eignen sich die Reichtümer der Welt an. Diese neue Feudalherrschaft ist 1000 Mal brutaler als die aristokratische zu Zeiten der Französischen Revolution.

Homo,sehr amüsant ,auf die Reaktionen musste ich des öfteren laut online lachen.


viel sanuk weiterhin

a.g.
hans
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Ferdinand
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« Antworten #134 am: März 22, 2008, 03:14:33 »

@hansgru

 
Zitat:
...musste ich des öfteren laut online lachen.


So geht es mir hier auch oft. [Lächelnd]

Natürlich praktiziert China keine soziale Marktwirtschaft, sondern eher noch den Manchester Kapitalismus.
Das ändert aber nichts an der Tatsache dass China vor Deng Xiaoping, also zu Zeiten des Kommunismus, das letzte Scheisshaus der 3. Welt war.
Damals verhungerten Millionen Chinesen in durch den Kommunismus verursachten Hungersnöten.
Erst im Kapitalismus kann das chinesische Volk seine Tugenden und seine schöpferische Kraft entfalten und steigt aufgrund dessen wieder zur Weltmacht empor.  

 
Zitat:
In den letzten Jahrzehnten sind auf der Erde unglaubliche Reichtümer entstanden ... Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ist der objektive Mangel besiegt und die Utopie des gemeinsamen Glückes wäre materiell möglich.


Genau, das sage ich doch immer! [^]
Und wodurch wurde dieser Reichtum geschaffen, wodurch wurde der Mangel besiegt? Na?
Durch den Kapitalismus! [Zwinkernd]
Der Kommunismus schafft ausschliesslich Mangelwirtschaft und Hungersnöte.
Ausser Prestigeprojekte, wie Raumfahrt, Waffentechnik oder Doping im Sport wurde doch rein gar kein Fortschritt im Kommunismus erzielt.

Glaubt vielleicht ein Mitteleuropäer dass er, wenn der Kommunismus in Europa herrschen würde als Tourist, Expat oder Rentner in Thailand herumlungern könnte?
Oder dass es chinesische Touristen in Thailand gäbe, wenn China noch kommunistisch wäre?
Im Kommunismus gäbe es nicht mal Computer und Internet, also auch kein Tip-Forum.
Wir würden alle das einzige Staatsblatt lesen, die Prawda.
So schwebt es ja unserem hom80 ohnehin vor.
Er meinte ja schon, Der Spiegel, ein Drecksblatt! Private TV-Sender, verbieten!
Wenn hom80 und seine Genossen etwas zu sagen hätten, gäbe es nur noch seine pseudo-akademische Kommunistenliturgie zu lesen.  

Ich halte dieses ganze Geschwätz von den Errungenschaften des Kommunismus ohnehin für die Reaktion persönlich Gescheiterter auf ihre eigenen Unzulänglichkeiten.
Wer es selbst zu nichts bringt der möchte dann eben gerne umverteilen.

Wenn diese ganzen heutigen Mao-Stalin-Lenin Romantiker aber wirklich so leben müssten wie die Menschen zur Zeit als ihre Vorbilder herrschten, wären das die Ersten die jammern und klagen würden.

Ferdinand

"Ewiger Dank Waldemar Pabst und der Garde-Kavallerie-Schützen-Division!"
« Letzte Änderung: März 22, 2008, 03:40:45 von Ferdinand » Gespeichert
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